24. März 2010




Die erste Woche in Córdoba habe ich zum Ausruhen, Zeit umstellen und Aklimatisieren genutzt. Übers Wochenende fuhren wir mit Cristians Eltern und der Familie seines Onkels nach Mina Clavero, einer Touristenhochburg ca. 150 km westlich von Córdoba. Während die Familienväter ein neu erworbenes Grundstück dort einzäunten, vergnügten wir uns am Fluss beim Baden. Ich holte mir bei dieser Gelegenheit gleich den ersten Sonnenbrand (obwohl ich eingecremt und den ganzen Tag im Schatten war!!!). Nichtsdestotrotz war es das wert. Was für eine Umstellung – vom Winter mit Schnee und Eis mitten im Sommer gelandet...

Die Woche drauf warteten schon die ersten Behördengänge auf mich. Die Anmeldung in der Universität und die Beantragung eines argentinischen polizeilichen Führungszeugnisses. Das erste, was ich bei dieser Gelegenheit lernte war, dass ich mich in Zukunft nicht mehr über deutsche Behörden beschweren werde. Die Argentinier toppen in Bürokratie, Langsamkeit, Unfreundlichkeit und Inkompetenz. Allein um das Antragsformular für das Führungszeugnis zu beantragen, musste ich eine Stunde warten, neun Blätter ausfüllen, ca. 4 km gehen (ungelogen!!!), mich an zwei verschiedenen Fenstern und weiteren zwei Türen anstellen und 30 Pesos bezahlen. Nicht ohne Stolz kehrte ich an diesem Tag wieder von meinem Behördengang zurück, den ich ganz alleine auf Spanisch gemeistert und alles richtig gemacht hatte. Zumindest hat es bis jetzt den Anschein als wäre alles richtig gewesen – ob ich das Führungszeugnis dann am 31.03. tatsächlich so erhalte wie mir gesagt wurde, bzw. wie ich verstanden habe, ist noch einmal eine andere Frage.

Außerdem fuhren wir übers Wochenende in die Berge, wo Cristians Eltern ein kleines Häuschen in idyllischer Lage mit Pool haben. Wir verbrachten die Zeit mit Baden, Asado und Angeln. Leider haben wir nur kleine Fischchen rausgezogen. Ich hab den größten mit stolzen 9 cm erwischt. Die anderen waren alle kleiner. Laut Cristian kann man sie essen, am Stück, weil sonst nichts übrigbleibt. Am Anfang war es für mich ein sehr komisches Gefühl erst einen Wurm auseinander zu reißen, dann die sich noch ringelnde Hälfte auf einen Haken aufzuspießen und ins Wasser zu werfen, um ihn später mit einem sich verzweifelt windenden Fisch wieder raus zu ziehen. Auch dieser kalte, glitschige Fisch in der Hand, der um Luft ringt und in der Dose noch mit letzter Kraft versucht durch Sprünge ins Wasser zurückzukommen.... Ich habe eine Weile gebraucht um mich daran zu gewöhnen. Später hat es mich dann nicht mehr gestört, aber mein Lieblingssport wird das Angeln wohl nicht werden. Abgesehen davon finde ich die Vorstellung die Fische mit Flossen, Kopf, Innereien und allem drum und dran (und drinn!!!) zu essen nicht gerade appetitanregend. Naja, wenigstens haben Fische kein kuschelig weiches warmes Fell und mitleiderregende große braune Augen mit langen Wimpern, sondern nur starre Glotzaugen und Schuppen. Das macht die Sache um einiges leichter.

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