Wie viele von euch wissen, konnte ich bislang bei Cristians Eltern Unterschlupf finden. Ich bin sehr dankbar für die herzliche Aufnahme, die sie mir in ihrem Haus bieten. Trotz der guten Fürsorge und allen Bequemlichkeiten die mir hier geboten werden war es nicht so gedacht, dass ich das ganze Jahr bei den Figueroas wohne. Daher waren Cristian und ich schon ab der zweiten Woche meines Aufenthalts im Viertel unterwegs um eine geeignete Unterkunft für mich zu finden.
Mittlerweile sind fast vier Wochen verstrichen, seit dem ich die Wohnung besichtigt und den Mietvertrag für mein neues Heim unterschrieben habe. Das Appartement ist ca. 40 m² groß und hat auf den ersten Blick einen recht guten Eindruck gemacht. Eine geräumige Wohnküche, ein etwas kleineres aber durchaus ausreichendes Schlafzimmer mit angrenzendem Bad, Einbauwandschrank, Heizkörper, Küchenzeile mit Gasherd, große helle Fenster und eine günstige Miete – was will man mehr?
Leider war mein erster Blick kein besonders Kritischer, so dass ich bei einem zweiten genaueren Hinschauen (nach dem Unterschreiben des Vertrages...) dann so manchen Mangel bemerkte. Aus einem offenen Rohr in der Wand schoss bei geöffnetem Kaltwasserhahn ein Wasserstrahl hervor, Spül- und Waschbecken tropften aus den Rohren, der Herd war vor lauter Rost nicht zu gebrauchen, ein Wasserschaden hinter der Tür hatte den Gips und die Farbe gesprengt, der Durchlauferhitzer schaltete sich zwar an, aber nicht wieder aus, den Holzboden im Schlafzimmer zierte ein großer Fettfleck, die Zimmerdecken hatten vermutlich noch nie einen Maler gesehen und in einem der Fenster war das Glas gebrochen. Zugegebenermaßen war ich bei der Besichtigung nicht argwöhnisch genug, als der Makler sich damit begnügte einen Fensterladen zu öffnen und die Wohnung so im Dämmerlicht zu präsentieren.
Aber dank einem Besuch von Cristians diskussionsfreudigem Vater im Maklerbüro schickte mir die Immobiliengesellschaft nach nur 1 ½ Wochen Wartezeit einen Handwerker, der sich der Mängel annahm während ich aus Leibeskräften die Wohnung putzte. Mit jedem Türchen das ich bewegte und in jeder Ecke, die ich genauer betrachtete fand ich mehr Dreck. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie man eine Wohnung so hinterlassen, aber noch viel weniger wie man darin wohnen kann! Ich würde wirklich sehr gerne die Vormieter sehen und mir ein Bild davon machen können, wer diesen Saustall zu verantworten hat... Meine erste Investition in die Wohnung waren folglich Putzmittel, Chlor, zahlreiche Lappen, Bürsten und Schwämme aller Art, Besen, Eimer, Schrubber, Bodenwachs und Insektengift – für alle Fälle. Bisher habe ich zwar noch keine sechs- bzw. achtbeinigen Mitbewohner gefunden, bevor sie sich aber willkommen fühlen räucherte ich vorsorglich das Appartement mit Gift ein. Man kann ja nie wissen...
Eine weitere Woche nahm das Streichen in Anspruch, da meine lieben Vormieter nach Informationen meiner Nachbarin zufolge bei Nacht gestrichen hatten. Sie müssen wohl auch die Augen zugemacht haben, anders ist nicht zu erklären, dass an manchen Stellen fünfmal und an anderen gar nicht gestrichen wurde und sämtliche Steckdosen, Tür- und Fensterrahmen und Bodenleisten angemalt waren. Ich war sehr froh um Cristians Unterstützung beim Streichen. Zu zweit waren wir vier Tage mit Malern beschäftigt. Ich dachte während des Streichens an die vielen Male, die wir zuhause mit Freunden gemeinsam bei Umzügen geholfen und gestrichen haben und in kürzester Zeit die Arbeit getan war. Es geht doch alles viel schneller und mit mehr Vergnügen von der Hand, wenn man zu mehreren ist...
Nachdem jetzt sämtliche undichten Rohre geflickt, der Herd entrostet, der Boden gefegt geschrubbt gewischt gewachst und gewienert, das Bad gechlort, die Toilette geputzt und mit neuem Sitz versehen, die Fenster ganz und sauber, die Wände gestrichen und alle Gasverbraucher gerichtet sind und ordnungsgemäß funktionieren kann ich endlich ans Einziehen denken. Mein Mobiliar ist noch sehr spartanisch, aber das wird sich mit der Zeit schon noch ändern. Immerhin habe ich Tisch, Bett und Stühle – das reicht zum Schlafen und Essen. Und einmal eingezogen kann ich dann in Ruhe alles zusammen suchen, was ich so zum Leben brauche. Dank zwei lieben Paketen von daheim habe ich sogar eine Kuchenbackform, Kochbuch und eine Spritztülle - also: herzliche Einladung zum Kuchenessen!
Hier die Adresse für alle ernsthaft Interessierten:
Barbara Häusler
Sol de Mayo 284
Torre del sol - Depto 1°A
5003 Córdoba Capital
ARGENTINA
Hm, Deine Adresse klingt ziemlich beeindruckend und lässt nicht auf so eine (vor Kurzem noch) fürchterliche Behausung schließen. Warum hast Du eigentlich zwei Straßennamen? Oder ist die zweite Adresszeile nicht die Straße sondern die Depot bzw. Containernummer ;-)?
AntwortenLöschenIch freu mich schon auf die Einladung zur Einweihungsparty! :-)
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