Sooo, jetzt wird’s doch schon längst mal wieder Zeit für einen kleinen Bericht. Seit August und dem letzten Blogeintrag ist schon wieder eine ganze Weile vergangen. Ein paar erzählenswerte Dinge haben sich auch ereignet – warum also nicht mal den Blog auf den aktuellsten Stand bringen?
Seit Anfang August bin ich mal wieder Praktikantin. Zum 7. Mal in meinem kurzen Leben – ganz schön viel, oder? Irgendwie kommt man auf diese Rolle aber auch immer wieder zurück und irgendwie ist es auch überall das Gleiche. Man weiß nicht so recht was tun und was lassen, man hat keine eigenen Zuständigkeitsbereiche und wurschtelt halt überall ein bisschen mit, man stellt sich auf die Kollegen und die Umgebung ein, hat aber gleichzeitig im Hinterkopf, dass man eh bald wieder geht. Im Goethe-Institut Córdoba, in dessen Kulturabteilung ich mein Praktikum mache, geht mir das genauso. Nach einigen anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten im Büroalltag (für den ich mich noch nie begeistern konnte) fühle ich mich jetzt aber recht wohl dort.
Ich habe ein Projekt übertragen bekommen, dass sich fast wie zufällig und aus dem Nichts zusammengesponnen hat. Es geht darum eine Analyse/Beobachtungsarbeit über die alternativen Wirtschaftsformen in Argentinien zu machen. Dazu habe ich im August viele verschiedene (mehr oder weniger gute) Kongresse besucht und auf einer dieser Tagungen eine argentinische Professorin mit Gastdozentenstatus an der Uni in Weimar kennengelernt. Wir kamen ins Gespräch und aus dem zunächst willkürlichen Kontakt entwickelte sich eine Zusammenarbeit. Anstatt also nur wie ursprünglich geplant ein paar Zeilen für das Institut über hiesige Arbeiterkooperativen zu schreiben bin ich jetzt mit meinem Thema (über die soziale Situation der Arbeiter nach der Wirtschaftskrise 2001) Teil einer multidisziplinären Forschergemeinschaft aus Deutschland und Argentinien, in Zusammenarbeit mit den Universitäten Weimar, Jena und Córdoba. Klingt schon ein bisschen wichtiger, nicht wahr? Für mich ist dieser Rahmen einerseits eine große Hilfe, weil mein bis dahin doch sehr schwammiges Thema begrenzt und in sinnvollen Kontext gesetzt wird. Andererseits, weil diese Kooperation natürlich fachlich viel interessanter ist und außerdem eine gute Referenz für jeden Lebenslauf darstellt.
Bei so viel Arbeit im Goethe-Institut beschränkt sich meine Freizeit natürlich schon deutlich mehr, als ich es aus der ersten Jahreshälfte gewohnt war. Ich muss früher aufstehen (am Anfang war’s echt schwer um acht aus dem Bett zu kommen…), bin nachmittags erst um halb sechs zu Hause und habe ziemlich viele Abendveranstaltungen. Meine Wohnung leidet etwas unter der neuen Zeiteinteilung – jetzt kommt ihr leider nicht mehr so viel liebevolle und zeitaufwändige Pflege zu wie zu Anfang (Sie sieht aber trotzdem noch ganz ok aus, will ich nur vorsichtshalber noch mit erwähnt haben….für alle Zweifler…) Ich bin aber trotzdem sehr zufrieden mit meinem derzeitigen Lebensrhythmus. Alles geht seine geregelten Bahnen, ich bin beschäftigt und ein verträgliches Weilchen pro Tag außer Hauses und im Vergleich zum Wintersemester in Deutschland ist es immer noch Urlaub. Was will man mehr?
Ein weiterer Vorteil am Institut sind die Kollegen. Ich habe zwei ganz nette deutsche Kolleginnen. Die Eine ist ebenfalls Praktikantin und kommt aus Berlin, die Andere arbeitet als Assistentin der Direktorin und kommt aus Dorfen. Verrückt, dass man 12.000 km von daheim entfernt jemand aus dem quasi Nachbardorf kennenlernt, nicht wahr? Ich genieße es, mal wieder mit jemand von daheim zu tun zu haben, deutsch zu sprechen und mit Deutschen in Argentinien über Argentinien zu sprechen. Es ist schön, wenn man nicht erklären muss, warum einem manche Dinge komisch vorkommen und wie diese Dinge bei uns in Deutschland geregelt sind. Ich sage was ich denke oder finde und die anderen beiden wissen, wovon ich spreche. Wie angenehm einfach!
Weil meine Mitpraktikantin Marlene ein sehr sportlicher Mensch ist, hat sie am Goethe-Institut einen wöchentlichen Frauenfußballtermin eingeführt. Letzte Woche hat das Goethe-Fußball zum ersten Mal stattgefunden und soll auf jeden Fall wiederholt werden. Ich konnte letzten Mittwoch leider nicht, möchte aber beim nächsten Mal mit zum Fußball spielen gehen. Ein bisschen Bewegung kann nicht schaden, alle fanden das Spiel sehr lustig und so langsam muss ich ja auch an die Bikinifigur denken ;-) Bei uns wird’s nämlich jetzt bald Sommer!!!!!
Pünktlich zum Frühlingsbeginn wurde mein Gartenbauprojekt im Campo fertig. Mit Cristian zusammen haben wir im August angefangen einen Gemüsegarten anzulegen, der rechtzeitig zum 21. September (=Frühlingsbeginn) umzäunt und besät wurde. Zu meiner großen Freude ist auch tatsächlich schon etwas gewachsen (und nicht von den Vögeln gefressen worden…). Letzten Samstag habe ich mit Genuss mein erstes Kresse-Butterbrot verzehrt. Hoffentlich wächst noch mehr als „nur“ Kresse (die ja nicht gerade die Anspruchsvollste unter den Gemüse- und Kräuterpflanzen ist…) und die Mühe mit dem Boden, dem Zaun, dem Unkraut und dem schlechten Werkzeug der Figueroas hat sich gelohnt.
Meine ganz besondere Liebe gilt meinen zugegebenermaßen schwächlichen Tomatenpflänzchen, die ich mit viel Zuwendung in meiner Wohnung betreue. Die brauchen noch ein Weilchen bis sie stark genug für den Garten sind. Von den gesäten und aufgegangenen 40 Tomaten sind aber leider schon 31 gestorben… Die letzten neun haben nun hoffentlich die kritische Phase überstanden und wachsen brav weiter. Ich mag doch sooo gerne Tomaten….
Wenn ich gerade weder im Goethe-Institut, noch in einer Abendveranstaltung, noch in meinem Gemüsegarten bin, verbringe ich die Zeit mit Cristian und Freunden. Jeden Montag treffen sich die Mädels aus der Gemeinde zum Hauskreis. Sie haben mich sehr herzlich in ihren kleinen Kreis aufgenommen und ich fühle mich wohl dort. Dienstags kommt mein Spanischschüler – ein CEC-Shortie aus Baden-Württemberg mit schwäbischem Akzent. Ich finde es lustig, so weit weg von Deutschland Schwäbisch zu hören. Der Unterricht macht uns beiden viel Spaß und ist immer ein guter Anlass zu einem kleinen Klatsch über interessante Neuigkeiten aus Deutschland. Jetzt wo es wärmer wird, sind alle viel aktiver und wir gehen öfters mal mit Freunden einen Cocktail trinken, Pizza essen, ins Kino oder in Zentrum. Die Leute haben wieder Lust zum Feiern und laden zu Geburtstagen und Hochzeiten ein.
Und so sind wir jedes Wochenende anderweitig beschäftigt. Die Zeit vergeht rasend schnell. Ich muss schon wieder an mein Visum denken, das ja nur noch bis Ende Oktober gilt. Und ich habe meinen Rückflug nach Deutschland gebucht. Am 25. Februar betrete ich – so Gott will – wieder deutschen Boden. Nur noch viereinhalb Monate hier… wie schnell so ein Jahr doch vorbei ist.
So, meine Lieben, das war das Wichtigste in Kürze. Einmal mehr nehme ich mir vor, meinen Blog in Zukunft besser zu pflegen – vielen Dank für eure Geduld. Ein neuer Testbericht ist schon zur Hälfte geschrieben und wartet nur noch auf sein Ende. Den stelle ich bestimmt bald online.
Ich wünsche euch einen schönen, bunten und sonnigen Herbst und freue mich auf Mails, Blogkommentare oder Facebookmeldungen (bin nämlich seit neuestem Facebookmitglied, für alle die’s noch nicht wussten :-) ) Alles Liebe!
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| September |

Hallo Barbara,
AntwortenLöschenich finde es recht lustig mit was für einem Thema du dich beschäftigst (über die soziale Situation der Arbeiter nach der Wirtschaftskrise 2001) !! Du lebst dort ziemlich privilegiert un bist unerfahren.
Gruß Klaus
...man kann ja auch Pantoffeltierchen erforschen obwohl man selbst keins ist...
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