Mit dem Coche Cama war ich schon mehrmals unterwegs und werde mich in diesen Tagen wieder damit auf die Reise machen – diesmal nach Jujuy, an die bolivianische Grenze. Die letzten Male war ich mit Gina in Iguazú und Buenos Aires. Das Reiseticket für das Coche Cama muss man schon im Voraus kaufen. Für eine einfache Reise (Hinweg) legt man dabei schnell mal stolze 200 Pesos auf den Tisch - je nach Strecke natürlich, aber es ist schon immer ein saftiger Preis. Dafür erhält man Mahlzeiten, Getränke und hat eine bequemere Reise als im Flugzeug (außer FirstClass).
Die etwas günstigere Variante des Semi Cama bietet meist keinen BordService. Daher überlegt man sich dreimal, ob man wirklich die 30 Pesos sparen möchte, die man im Coche Cama (mit Service und bequemeren Sitzen) mehr bezahlen müsste. Coche Cama und Semi Cama haben Abfahrtszeiten und fahren jeweils den Busbahnhof des Zielorts an. Das ist ein großer Unterschied zu den Colectivos, die kreuz und quer durch die Stadt gurken und keine festen Abfahrtszeiten haben. Ein Vorteil für die Busfahrer - so kann ihnen niemand vorwerfen sie kämen zu spät... Vielleicht wäre das ja auch eine gute Idee für die MVG? ;-)
Trotz der Fahrpläne der Langstreckenbusse darf man nicht mit deutscher Pünktlichkeit und Genauigkeit rechnen. Bis zu einer halben Stunde Verspätung merkt es keiner, bis zu einer dreiviertelten wundert es niemand und bis zu einer Stunde beschwert man sich nicht. Außerdem sind die Fahrgäste in der Wartezeit gefordert, die richtige Abfahrtsbucht zu finden. Beim Ticketkauf werden nämlich nur ungefähre Angaben darüber gemacht (z.B. zwischen Bucht 23 und 29), so dass man während des Wartens also aufs Genaueste alle ankommenden Busse in diesen Buchten mustert und herausfinden muss ob der eigene Bus schon da ist.
Um mit einem Stadtbus fahren zu können, muss man zunächst die speziellen Münzen („Cospeles“) erstehen, mit denen man im Bus bezahlen kann. Geld nehmen die Busfahrer nicht an. Ein Cospel kostet 2 Pesos. Jede Busfahrt kostet ein Cospel, egal wie lang man im Bus bleibt. Will man mit dem Colectivo von einem Ort an den anderen gelangen, braucht man zunächst einmal einen Busführer und einen Stadtplan um die Strecken darin abzulesen. Einmal die richtige Linie gefunden, begibt man sich zur nächsten Haltestelle dieser Linie. Die Haltestellen sind manchmal, wenn keine Leute dort warten, schwer auszumachen. Sie verfügen nämlich nicht immer über Schilder oder gar Bushäuschen, sondern sind bisweilen nur durch die an einen Baum gesprühte Linienfarbe und –nummer gekennzeichnet. Kommt der richtige Bus herangefahren, so muss man ihn durch Handzeichen aufhalten – andernfalls fährt er weiter. Der Colectivo hält nur, wenn ihm die Zeit dazu reicht und er genügend Platz für neue Fahrgäste hat. Oft ist er so voll, dass er einfach einige Haltestellen überspringt ohne anzuhalten.
Das Cospel gibt man beim Einsteigen dem Busfahrer, der es in ein Kästchen wirft worauf das Ticket gedruckt wird. Um nicht mit einem ganzen Säckchen Cospeles im Geldbeutel unterwegs zu sein kann man auch eine Art Kreditkarte mit Guthaben füllen und diese auf einem Magnetfeld ablesen lassen. Mit dem Ticket in der Hand sucht man sich sodann ein Plätzchen. Die ersten vier Sitze sind für Schwangere, Senioren und Kranke reserviert – danach gibt es freie Platzwahl (sofern noch was frei ist). Sehr zu loben sind da die jungen Männer, die eigentlich immer für ältere Damen aufstehen und bei einem freien Platz den Frauen jedes Alters den Vortritt lassen. Auch beim Einsteigen in den Bus sind sie sehr ritterlich und warten bis die Damen eingestiegen sind, bevor sie sich mit jugendlicher Kraft in den manchmal schon abfahrenden Bus schwingen. Es kommt aber oft genug vor, dass der Bus so dermaßen überfüllt ist, dass man kaum einen Stehplatz darin findet. Die Herausforderung besteht dann darin sich bis zu hinteren Tür (die einzige, durch die man Aussteigen kann) durchzudrängeln und gleichzeitig auf die eigenen Wertsachen aufzupassen. In den vollen Colectivos gibt es nämlich immer wieder Taschendiebe, die das Gedrängel ausnutzen um unbemerkt zu stehlen.
Wegen der großen Menge an Fahrgästen und der vergleichsweise geringen Menge, bzw. schlechtem Service in den Colectivos gibt es ein ganzes Heer von Taxis. Sie zählen schon fast als öffentliche Verkehrsmittel, weil ohne sie der Nahverkehr zusammenbrechen würde. Zwei Typen von Taxis sind auszumachen: grüne (Remis) und gelbe (Taxis). Die Gelben sind dabei zu bevorzugen, weil sie erstens billiger und zweitens sicherer sind. Die Remis haben sich aus einer illegalen Initiative heraus entwickelt, haben kaum staatliche Auflagen und werden oft von zwilichtigen Chauffeurs gesteuert. Die Taxis dagegen sind alle in einem staatlichen System erfasst, haben eine Identifikationsnummer und müssen hunderte von Auflagen erfüllen (z.B. darf der Wagenführer keine Vorstrafen haben). Als alleinreisende Frau ist man also im gelben Taxi besser aufgehoben.
Im Vergleich zu Deutschland sind die Taxis ziemlich günstig, auch wenn sie hier im Preis deutlich von den Colectivos geschlagen werden. Der Anfangspreis sind ca. 3,40 Pesos, danach zahlt man 20 Centavos/ 100m. Das Risiko im Taxi/Remi ist meist der Fahrer selbst. Die deutschen Taxifahrer glauben ja schon sie wären die Einzigen auf der Straße, aber die hiesigen übertreffen sie deutlich darin. Ich habe schon mehrere Beinahe-Herzinfarkte vor Schreck hinter mir, weil der Chauffeur kurzfristig hart bremste, eine rote Ampel überfuhr, gegen die Einbahnstraße lenkte oder scharf an anderen Autos vorbei überholte. Wer schwache Nerven hat sollte also lieber zu Fuß gehen.
Manchmal wenn ich in der Stadt unterwegs bin, auf den Bus warte oder darin fahre, denke ich an die S-Bahn und die Nahverkehrsbusse in Deutschland. Daran, dass ich mich schon oft über 5 Minuten Verspätung beschwert habe, dass mir das Abteil zu voll war, dass ich mich an ein paar Filzstiftkritzeleien gestört habe und mir die Sitze zu schmutzig waren um mich darauf zu setzen. Ich habe von dem Bahnskandal wegen ausgefallener Klimaanlagen gehört und konnte nur den Kopf schütteln, weil mir das alles jetzt so nichtig erscheint in Anbetracht der hiesigen Zustände. Ich glaube, dass ich, wieder zurück in Deutschland, um einiges dankbarer sein werde für Dinge, die ich bislang für selbstverständlich gehalten habe. Wir haben es so schön bei uns – das hat sich mehr als Beschwerden verdient!
| Verkehrsmittel | Preis | Service | Pünktlich | Einfach | Nutzen | Komfort | Risiko | Schnitt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Colectivo | 2 | 4 | 5 | 5 | 1 | 5 | mittel | 3,5 |
| Semi Cama | 3 | 3 | 2 | 1 | 2 | 3 | niedrig | 2,25 |
| Coche Cama | 4 | 1 | 2 | 1 | 2 | 2 | niedrig | 2 |
| Taxi | 3 | 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | hoch | 2,13 |



